Ein streitbarer Geist ist gegangen
Zum Tod des früheren Landespfarrers für Polizeiseelsorge Martin Krolzig
Mit Martin Krolzig verliert die Polizeiseelsorge einen Pfarrer, der sie über viele Jahre geprägt und wichtige Entwicklungen angestoßen hat. Der frühere Landespfarrer für Polizeiseelsorge starb am 17. August 2026 im Alter von 85 Jahren.
Von 1985 bis zu seinem Ruhestand 1999 war Martin Krolzig Landespfarrer für Polizeiseelsorge. Zuvor hatte er nach seinem Vikariat und dem Predigerseminar als Pfarrer unter anderem in Düsseldorf, Duisburg und Essen gearbeitet.
Berufsethik mit Bodenhaftung
Ein besonderes Anliegen war Krolzig die Berufsethik. Dabei ging es ihm nicht um abstrakte Grundsätze, sondern um die konkreten Herausforderungen des Polizeialltags: Verantwortung, Macht und Gewalt, Schuld und Grenzüberschreitungen – aber auch um die Frage, was dieser Beruf mit den Menschen und ihren Familien macht.
Zwischen 1988 und 1999 gab er 19 Hefte des „Forum Ethik & Berufsethik“ heraus. Auch als Dozent an der Fachhochschule setzte er sich mit Themen auseinander, die innerhalb der Polizei nicht immer leicht zu diskutieren waren. Er suchte die Auseinandersetzung, brachte unterschiedliche Positionen zusammen und scheute auch Konflikte nicht.
Als Polizeiseelsorger vermittelte Krolzig zudem bei festgefahrenen Konflikten zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Dabei verstand er Polizeiseelsorge nicht nur als Begleitung in persönlichen Krisen, sondern auch als unabhängige Stimme innerhalb der Institution Polizei.
Pionier der Nachsorge nach Schusswaffeneinsätzen
Besonders nachhaltig wirkte seine Arbeit mit Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten nach Schusswaffeneinsätzen. Krolzig erkannte früh, dass auch ein rechtmäßiger Schusswaffengebrauch schwere seelische Folgen für die Beteiligten haben kann.
Seit 1989 brachte er Betroffene in bundesweiten Seminaren zusammen. 1995 machte er ihre Erfahrungen mit seinem Buch Wenn Polizisten töten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. Aus den Treffen entstand zudem eine Selbsthilfegruppe, die bis heute besteht.
Damit gehörte Krolzig zu den Wegbereitern einer professionellen Nachsorge nach belastenden Polizeieinsätzen. Er widersprach der Vorstellung, seelische Belastungen seien ein Zeichen von Schwäche. Zugleich nahm er die Institution Polizei in die Verantwortung: Wer Menschen ausbildet, bewaffnet und in schwierige Einsätze schickt, trägt auch Verantwortung für sie, wenn der Einsatz vorbei ist.
Ein streitbarer Geist ist gegangen. Was er angestoßen hat, bleibt.
Volker Hülsdonk
Für die Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland und
die STIFTUNG POLIZEISEELSORGE