Berufsethik bei der Polizei

Soul
Recht und Gesetz allein reichen nicht: Bei allen Entscheidungen, die Polizist*innen in Deutschland treffen geht es um die Menschenwürde. Spätestens seit 2008 werden alle Polizeianwärter*innen in Ethik geschult. Foto: pixabay

Berufsethik bei der Polizei:

Die Würde des Menschen ist unantastbar

„Der Kurt greift auch mal so richtig durch“, sagt ein Polizeianwärter nach dem ersten Praktikum in einer Wache. Nach einem Jahr Studium an der Fachhochschule der erste Kontakt mit der Realität. Er meint das durchaus bewundernd bzw. erachtet das Verhalten von „Kurt“ für vollkommen in Ordnung.

Stopp! An dieser Stelle greift bereits in der dem Praktikum folgenden Berufsrollenreflexion der Moderator ein und fragt, ob die Erfahrungen und Ansichten des Anwärters auch ethisch tragbar sind.

Ethik… Muss das sein? Fragen sich anfangs noch viele Studierende. Ja, muss. Denn sie sollen lernen zu sehen, dass sie später im Einsatz und bei Ermittlungen immer einen Menschen vor sich haben! Egal, was der getan hat! Jeder Verbrecher, Gewalttäter, Betrüger, Mörder, Drogendealer – ja, auch der Sexualstraftäter muss von den Polizist*innen als Mensch gesehen werden. Egal, was sie selbst dabei fühlen. „Wenn sie das schaffen, also immer zu differenzieren, dann sind es gute Polizisten“, sagt Folkhard Werth.

Der Landespolizeipfarrer für die Behörden in Krefeld, Essen, Oberhausen, Duisburg, Kleve und Wesel ist einer der Seelsorger*innen, die an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW, Fachbereich Polizeivollzugsdienst, Berufsethik für Polizeibeamt*innen unterrichten.

Lesen Sie hier den gesamten Bericht zur Berufsethik bei der Polizei

Zerbrochenes Glas
Wieviel Vertrauen in die Polizei ist schon zerbrochen? Ist die deutsche Polizei wirklich eine gewaltbereite Schlägertruppe? Foto: pixabay

Gewalt: Ein ethisches Dilemma - Zwang anwenden, um Gewalt zu verhindern

"Da geht es um das Aushalten des grundsätzlichen existenziellen ethischen Dilemmas polizeilicher Arbeit: Polizist*innen müssen im Grunde genommen Übles tun, um Übles zu verhindern; sie müssen Zwang anwenden, um Gewalt zu verhindern; im schlimmsten Falle müssen sie töten, um Leben zu schützen. Das ist ein inneres Paradoxon, das nicht spurlos an einem Menschen vorbeigehen kann. Denn die Polizist*innen müssen - legal und legitim - gegen den eigenen Wertecodex verstoßen, um den gesamtgesellschaftlichen Wertecodex zu schützen.

Um (auch) diesem Aspekt frühzeitig Rechnung zu tragen gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt innerhalb des Studiums nach dem ersten Praktikum: Die Berufsrollenreflexion. Viele Polizeianwärter*innen sind behütet aufgewachsen, wechseln nach dem (Fach-)Abi direkt ein Jahr lang auf die „Schulbank“ der Hochschule, unterbrochen von den Praxisanteilen in den Ausbildungsstätten des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP).

 

Gerade das Thema „Gewalt“

…hat nach dem ersten Praktikum einen hohen Stellenwert! Die Gespräche können hier helfen, das Erlebte einzuordnen in den Gesamtzusammenhang des Systems „Polizei“ und in die eigene Persönlichkeitsfindung. Was konnte ich mir von den „fertigen“ Kolleg*innen aneignen, wie möchte ich später (nicht) agieren?

Die Polizei tut viel, um zu verhindern, dass ihre Beamt*innen "ausrasten" oder "aus der Rolle fallen". Lesen Sie weiter, was Landespolizeipfarrer Folkhard Werth über die Ethikschulung berichtet, die vor unzulässiger Gewaltausübung schützen soll:

 

 

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