Der Amtseid - ein Gefühl und ein Versprechen

Vereidigungsfeier NRW 2026 _ Schwur

„Man spürt, dass man Teil von etwas Größerem ist“

Ein Anwärter und eine Anwärterin sprechen über Verantwortung, Gemeinschaft und ihren Amtseid

Vereidigungsfeier NRW 2026 Bühne_LPO
Garant für gute Stimmung: Das Jazz-, Rock-, Pop-Ensemble des Landespolizeiorchesters, Foto: Polizei Köln

Was für ein Tag! Wenn sogar ein „alter Hase“ wie EPHK Frank Spinnraths (Wachleiter Düsseldorf-Süd) seine Vereidigung vor 30 Jahren in einem kleineren Rahmen als einen besonderen Moment in Erinnerung behalten hat - wie muss es dann erst gegenwärtig gewesen sein: In der Kölner Lanxess-Arena, gemeinsam mit rund 3.000 Polizeianwärterinnen und -anwärtern und vor noch mehr Zuschauern den Amtseid zu schwören? Und als Sahnehäubchen obendrauf die Rede der Studierenden halten zu dürfen?

Zwei von ihnen – eine Regierungsinspektoranwärterin und ein Polizeikommissaranwärter – erzählen,  was der Amtseid für sie bedeutet, warum Gemeinschaft im Polizeiberuf so wichtig ist und weshalb Angebote wie Polizeiseelsorge eine wichtige Rolle spielen können.

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Ausschnitt aus der Rede der Studierenden: RIA'in Emilia Rubino

„Willkommen in der Familie“ - Die Vereidigung als emotionaler Ankerpunkt

„Es war ein Augenblick, in dem mir bewusst geworden ist, dass ich jetzt Teil von etwas Größerem bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir das Gefühl von Stolz auf mich selbst, aber auch die Unterstützung der Menschen, die mir am Herzen liegen. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor dem, was dieser Schritt bedeutet“, erinnert sich Emilia Rubino, 

 „Ein echter Gänsehautmoment war für mich der Satz: ,Liebe Kolleginnen und Kollegen, willkommen in der Familie.‘ In diesem Moment habe ich wirklich gespürt, dass man angekommen ist und aufgenommen wird.“

Vereidigungsfeier NRW 2026 _ Schwur
Der besondere Moment 2026: Der Schwur. Foto: Polizei Köln

„Ich schwöre, 
dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, 
Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, 
meine Pflichten gewissenhaft erfüllen 
und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. 
(So wahr mir Gott helfe.)“

Eidesformel der Polizei sowie aller Beamt:innen in NRW

"Es ist eben nicht bloß ein Job!"

KA Finn Spielvogel betont „den Amtseid gemeinsam mit 3.000 Kolleginnen und Kollegen abzulegen war ein besonderer Moment, in dem mir noch einmal ganz besonders die Verantwortung, die mit dem Beruf einhergeht, bewusst geworden ist.“

Er beschreibt die Vereidigung als etwas, das weit über eine feierliche Zeremonie hinausführt. „Der Amtseid zeigt noch einmal auf, welche Verantwortung mit dem Beruf einhergeht und dass es eben nicht bloß ein Job, sondern ein Beruf ist, der mehr von einem verlangt als das Erfüllen von Arbeit. Man leistet einen Dienst, auf den sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich genommen werde“ – Über Umwege zum Ziel

Emilia Rubino ist 20 Jahre alt und Regierungsinspektoranwärterin im Polizeidienst. „Nach meinem Abitur wusste ich zunächst nicht, wohin mein beruflicher Weg gehen soll. Zuerst habe ich mich für ein Studium entschieden, doch mir wurde schnell klar, dass ich mich damit nicht wohlfühle. Also habe ich mich neu orientiert und bin auf den Polizeiberuf gestoßen. Anfangs dachte ich: „Polizei? Die werden mich doch niemals annehmen. Trotzdem habe ich mein Glück versucht mit nichts anderem als mir selbst. Als der Anruf kam, dass ich genommen werde, war das ein unglaubliches Gefühl. Ich war einfach stolz auf mich, weil aus einer Vorstellung plötzlich Wirklichkeit geworden ist.“

Für Finn Spielvogel war der Weg zum Studium bei der Polizei auch nicht geradlinig, wie er in der Rede freimütig bekennt: „Aber zum ersten Mal fühlt es sich richtig an!“ Er hebt hervor, nach einem Zitat des früheren Boxweltmeisters Muhammad Ali, wie wichtig der Glaube ist, die eigenen Ziele erreichen zu können: 

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Vereidigung2026_Finn_Spielvogel
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Ausschnitt aus der Rede der Studierenden: KA Finn Spielvogel

Finn Spielvogel ist 25 Jahre alt und hat am 1. September 2025 das duale Studium im Polizeivollzugsdienst bei der Polizei NRW begonnen. Aus mehreren Gründen: „Große Punkte sind aber ganz klar die breitgefächerten Möglichkeiten und Aufgabenbereiche. Seit Beginn des Studiums entdecke ich immer wieder neue Bereiche, die mich interessieren, die ich mir gerne genauer anschauen würde und die ich mir als zukünftige Tätigkeit vorstellen kann. Diese Aufgabenvielfalt begeistert mich immer mehr!“ 

„Nicht nur im Dienst – auch privat“ – Verantwortung beginnt im Alltag

Auch wenn sie noch nicht absehen können, wie sich der Amtseid in der Realität des Berufsalltags anfühlen wird, so messen sie ihm schon jetzt eine hohe Bedeutung zu. 

„Er steht für Verantwortung, Loyalität und dafür, nach bestimmten Werten zu handeln auch in schwierigen Situationen“, sagt Emilia Rubino, „Im Moment ist es für mich vor allem ein Gefühl und ein Versprechen. Ich denke aber, dass man mit der Zeit immer mehr versteht, was dieser Schwur wirklich bedeutet.“

Finn Spielvogel rechnet damit, dass es schon im ersten Praktikum Situationen geben wird, in denen sie sich an die Worte des Eides erinnern werden. „Besonders in Zeiten, in denen die Demokratieskepsis und -feindlichkeit zunimmt, ist es ganz besonders unsere Aufgabe als Polizeibeamte im Dienst und im Alltag für den Rechtsstaat einzutreten und zu zeigen, dass Demokratie nicht verhandelbar ist. Wir treten für unsere Verfassung nicht nur im Dienst ein, sondern auch im Privaten, beim Sport, in der Kneipe und beim Bäcker.“

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Auch 2026 unverzichtbar: Nach dem Schwur der Mützenwurf! Foto: Polizei Köln

„Man kann Polizeiarbeit nicht allein machen“ - Gemeinschaft trägt durch den Beruf 

Schon in den ersten Monaten ihrer Ausbildung hätten beide erlebt, wie zentral die Gemeinschaft im Polizeiberuf ist.

„Uns wurde schnell klar: Polizeiarbeit ist Teamarbeit.“ Finn Spielvogel hatte schon vor Beginn des Studiums Unterstützung von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. „Diese Hilfe durfte ich ab dem ersten Tag des Studiums weiterhin erfahren. Fast ausnahmslos jede fertige Polizistin und jeder fertige Polizist, den ich kenne, haben mir angeboten, dass ich mich bitte melden soll, wenn ich an irgendeiner Stelle mal Hilfe benötige.“

„Ich habe das Gefühl, dass die Gemeinschaft ein ganz entscheidender Faktor ist, ob ich das Studium erfolgreich abschließen kann, ob ich mich mit meinen Aufgaben wohlfühle und auch ob ich es schaffe mit den Herausforderungen des Berufs klarzukommen.“ 

Auch seine Kollegin betont die Bedeutung gegenseitigen Vertrauens: „Man kann diesen Beruf nicht alleine ausüben. Man ist aufeinander angewiesen, muss sich vertrauen können und gemeinsam funktionieren – gerade in schwierigen Situationen“, so Emilia Rubino. 

„Gemeinschaft bedeutet für mich auch Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Respekt. Das gibt Sicherheit – sowohl im Dienst als auch persönlich.“

„Es ist wichtig, Hilfe annehmen zu können“ - Die Bedeutung der Polizeiseelsorge

Beide Anwärter:innen sehen die Polizeiseelsorge als wichtiges Angebot innerhalb der Polizei. Beide hatten bisher noch keinen Kontakt zur Polizeiseelsorge, haben sich aber, wie Finn Spielvogel in einer Hausarbeit, mit den Unterstützungsangeboten der Polizei beschäftigt.

„Für mich persönlich ist es ein gutes Gefühl, dass es da ein Angebot gibt, auf das ich zurückgreifen kann, wenn ich an irgendeiner Stelle mal das Gefühl habe, dass da etwas ist, was ich nicht mit mir selbst oder beispielsweise mit meinen Kolleginnen und Kollegen klären kann.“ Der Polizeikommissaranwärter spricht dabei ausdrücklich auch die Verantwortung sich selbst gegenüber an:

„Ich kann mir absolut vorstellen die Polizeiseelsorge in Anspruch zu nehmen. Meiner Meinung nach haben wir nicht nur unter anderem gegenüber dem Bürger und der Bürgerin und dem Staat  eine Verantwortung, sondern auch ganz klar uns selbst und den Menschen in unserem engsten Umfeld gegenüber.“ 

Deshalb gehöre es für ihn selbstverständlich dazu, frühzeitig auf mögliche Warnhinweise zu reagieren und Hilfe anzunehmen: „Ich möchte möglichst bis zum Pensionseintritt dem Beruf gesund nachgehen und auch darüber hinaus fit und gesund bleiben.“

Auch Emilia Rubino sagt, dass sie während der Rede des Polizeipfarrers, in der es auch um Gemeinschaft und Freundschaft ging, vor allem an die Bedeutung von Gesprächen gedacht habe und daran, „wie wichtig es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, mit denen man sprechen kann besonders in einem Beruf, der auch belastende Situationen mit sich bringen kann.“

„Es ist beruhigend zu wissen, dass es dieses Angebot gibt – gerade für Situationen, in denen man Unterstützung braucht.“

„Etwas Sinnvolles tun“ - Warum beide diesen Beruf gewählt haben

„Am Ende war es der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, Verantwortung zu übernehmen und für andere Menschen da zu sein, der mich dazu bewogen hat, zur Polizei zu gehen“, ist sich Emilia Rubino sicher. 

Und Finn Spielvogel: „Ich kann mir kaum etwas vorstellen, was sinnvoller ist und von dem ich mehr überzeugt sein könnte, als für unsere Gesetze und Verfassung einzutreten und damit unser gesellschaftliches, demokratisches Zusammenleben zu sichern.“

Noch einmal Emilia Rubino: „Für meine Zukunft wünsche ich mir, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein.“

Für sie, Finn Spielvogel und auch für die dritte im Bunde, Ann-Sophie Stemplin (Polizeikommissaranwärterin), war es sicher eine Erfahrung fürs Leben, vor so vielen Angehörigen, Freunden, in Anwesenheit von Ministerpräsident Hendrik Wüst, Innenminister Herbert Reul, dem Inspekteur der Polizei NRW, Dirk Hulverscheidt und dem Polizeipräsidenten von Köln, Johannes Hermanns die Rede der Studierenden halten zu dürfen. 

 

Interview: Barbara Siemes

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Vereidigungsfeier 2026_Ann-Sophie_Stemplin
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Ausschnitt aus der Rede der Studierenden: KA' in Ann-Sophie Stemplin

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Gute Stimmung auch bei Ministerpräsident Hendrik Wüst und Innenminister Herbert Reul. Foto: Polizei Köln

Und wer mag, kann sich hier die gesamte Rede der Studierenden anschauen: 

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Vereidigungsfeier 26 _ Rede Studierende
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Zentrale Vereidigungsfeier der Polizei NRW: Ansprache der Studierenden

"Was hält einen Menschen aufrecht, wenn dieser Dienst schwer wird? Wenn Sie Dinge sehen, die Sie nicht vergessen können?" 

Dass der Leitende Landespfarrer für Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Volker Hülsdonk, ganz genau um die besondere Bedeutung von Gemeinschaft und Unterstützung im Polizeiberuf Bescheid weiß, wurde auch in seiner Rede deutlich: 

„Glauben Sie mir: In diesem Beruf werden Sie Menschen brauchen, denen Sie wirklich etwas sagen können. Nicht alles geht in den Bericht. Nicht alles gehört in die Dienstbesprechung. Manches muss irgendwo hin, wo es wirklich sicher ist. … 

Pflegen Sie Ihre Freundschaften! Die privaten, die familiären, und die kollegialen. Suchen Sie sich Menschen, die Ihnen nahestehen und die Ihnen trotzdem die Wahrheit sagen… 

Schauen Sie, dass sich in Ihrem persönlichen Freundebuch immer einige Einträge finden, dass es Menschen gibt, mit denen Sie reden können, weil ihre Resonanz mit dem verbunden ist, was Sie beschäftigt.

Ich wünsche Ihnen für ihren dienstlichen Alltag alles Wichtige: Mut, Maß, Urteilsvermögen.  -- Bleiben Sie gut behütet, -- von der Quelle und Kraft allen Lebens und den richtigen Menschen an Ihrer Seite!

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Vereidigungsfeier 2026 Polizisten auf Bühne
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Vereidigungsfeier 2026: Rede des Ltd. Landespolizeiseelsorgers Volker Hülsdonk

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