Vereidigung 2017

Engagement
Polizei Dortmund marschiert ein
Die Polizeianwärterinnen und Anwärter der Polizei Dortmund marschieren ein. Foto: Polizei Dortmund
Bühnenprogramm Vereidigung
Auf der Bühne ging die Post ab: Dazu Musik mit dem Landespolizeiorchester, ein Film der Studierenden und eine Bühnenshow der Spezialeinheiten. Foto: Polizei Dortmund
Alle 1.920 PolizeianwärterInnen heben die Hand zum Schwur des Amtseids. Foto: Polizei Dortmund
Alle 1.920 PolizeianwärterInnen heben die Hand zum Schwur des Amtseids. Foto: Polizei Dortmund

Und das haben sie geschworen:

„Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)“

„Dieses Versprechen hat es in sich“, sagte die Landespfarrerin für Polizeiseelsorge, Monika Weinmann, in ihrer Rede an die PolizeianwärterInnen, „mit der Entscheidung ´Ich werde Polizeibeamter` haben Sie stellvertretend für uns alle einen Beruf gewählt, der grundlegende Wertvorstellungen unserer Gesellschaft schützt und gegen Angriffe jeglicher Art verteidigt.“

Dieser Moment, in dem die PolizeianwärterInnen auf die Landesverfassung eingeschworen werden, ist einmalig im Leben und geht sicherlich unter die Haut: Inmitten von knapp 2000 Kolleginnen und Kollegen zu stehen und unisono einen Schwur zu leisten ist schon ein besonderer Augenblick.

Die Gesellschaft gegen Angriffe jeglicher Art verteidigen… Das zu versprechen ist in der Tat weitaus mehr, als nur einen „Job“ anzutreten. Es ist ein Sich-Einlassen auf eine ganz besondere Form der Zugehörigkeit zum „Dienstherrn“, auf Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Vielleicht spüren die späteren PolizistInnen hierbei zum ersten Mal die ganze Tragweite ihrer Berufswahl.

Abgründe des Menschlichen - Seelsorgliche Begleitung von Beginn an

Die Teilnahme der Polizeiseelsorge an der Vereidigungsfeier ist somit nachvollziehbar, aber in den Augen von Monika Weinmann durchaus nicht selbstverständlich: „Es ist ein Glück, dass wir zur Vereidigung eingeladen werden.“ Schließlich kann sie als Polizeiseelsorgerin deutlicher als mancher andere Redner die Zumutungen und Besonderheiten des Polizeiberufs ansprechen.

PolizistInnen schlagen nun mal einen Weg ein, der Leib und Leben bedrohen kann und einen hohen persönlichen Einsatz verlangt: „Denn wer sich für das Gute einsetzt, wird auch dem Bösen begegnen. Oft genug werden Sie in die Abgründe des dem Menschen Möglichen schauen und das Böse erleben in vielfältiger Gestalt. Während wir uns am Rande halten können, stehen Sie mittendrin. Wo wir Berührungsängste haben, sind Sie hautnah dran“, sprach die Pfarrerin aus, woran man während einer Feierstunde nicht unbedingt denken möchte.

Vor allem möchte sie im Namen des Teams der PolizeiseelsorgerInnen von Anfang an Präsenz zeigen und deutlich machen: Ihr steigt in einen belastenden Dienst ein und wir begleiten Euch, wir sind für Euch da und unterstützen Euch in und nach belastenden Einsatzlagen.

Monika Weinmann hat zum ersten Mal während einer Vereidigung zu den PolizeianwärterInnen gesprochen, auch für sie ein spannender Moment. „Das ist schon ein seltenes Vergnügen,“ erzählt sie, „die Wahrscheinlichkeit, dass man drankommt, ist nicht sehr groß.“ Denn die Ansprachen teilen sich die ca. 22 hauptamtlich tätigen evangelischen und katholischen Seelsorger in NRW untereinander auf.

Oberster Wert: Menschenwürde – die ethische Dimension im Polizeialltag

Ein weiterer Punkt, warum den Seelsorgerinnen und Seelsorgern ihre Präsenz während der Vereidigung sehr wichtig ist, betrifft die ethische Dimension des Polizeiberufs.  „Die BeamtInnen sollen Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben, das ist eine moralische Kategorie“, sagt Monika Weinmann, „wir sprechen also nicht nur von rechtlichen, sondern auch von ethischen Anforderungen.“ Was bedeutet das?

Das Grundgesetz ist eine Werte gebundene Verfassung. Oberster Wert ist die Menschenwürde, Menschenwürde als Wert gehört in den Bereich der Ethik – „von da aus findet auch das Recht erst seine angemessene Interpretation. Und damit müssen sich PolizistInnen auseinandersetzen“, erläutert Monika Weinmann, die gleichzeitig auch für die ethische Ausbildung an der Fachhochschule Abteilung Köln zuständig ist. Aber es verstünde sich von selbst, „dass wir Ethik im Rahmen des Unterrichts nicht theologisch begründen, sondern säkular einsichtig ausweisen, da wir ja – auf dem Boden der Polizei - weltanschaulich neutral sein müssen.“

Themen der Ethik im Grundstudium sind u.a.: Selbstverständnis als Polizeibeamte und Diensteid, Gehorsam und Gewissen, Moral und Recht, Gefährdungen der Unabhängigkeit des Polizeibeamten, Ethisch argumentieren, Menschenwürde, Macht und Ohnmacht, Verantwortung und Polizei, etc.

Themen im Hauptstudium u.a.: Gewalt (Selbstverständnis Polizei und Gewalt - Im Spannungsfeld von Gewaltgebrauch und Gewaltmissbrauch - Der Bürger als Opfer von Gewalt); Umgang mit der Angst; Tod und Sterben (Umgang mit Angehörigen, Umgang mit eigenen Belastungen, ethische Herausforderungen angesichts terroristischer Ereignisse).

Wie weit also die Ethik in den Polizeialltag hineinreicht, kann man sich unschwer vorstellen. Natürlich gibt es schwarze Schafe auch in der Polizei, BeamtInnen, die für einen Moment vergessen, was sie geschworen und gelernt haben. Aber die weitaus meisten der zum Beispiel unlängst vom Schwarzen Block beim G-20-Gipfel, der auch Thema während der Vereidigung war, beschimpften, bespuckten, mit Zwillen beschossenen und mit Molotowcocktails beworfenen „Bullen“ ertragen dies ohne auszurasten… Was das mit ihnen macht und auch die unvermeidliche Medienschelte – das ist ein anderes Thema.

Sie treffen sich also bald wieder – die PolizeianwärterInnen und die Polizeiseelsorgerinnen und Seelsorger. Zunächst in der weiteren Ausbildung an der Fachhochschule. Später vielleicht auf Seminaren, bei Einsätzen, … oder in persönlichen Gesprächen.

Insofern ist es doch ganz natürlich, dass die Polizeiseelsorge sich den PolizeianwärterInnen während der Vereidigung vorstellt und ein paar Worte sozusagen „ins Gewissen“ spricht bzw. ihre Unterstützung zusagt.

Barbara Siemes

Redeausschnitt von Landespolizeiseelsorgerin Monika Weinmann... (PDF 26 KB)

Text zum download... (PDF 297 KB)

 

Diese Seite verwendet Cookies.

Bitte erlauben Sie den Einsatz von Cookies, damit Sie diese Seite im vollen Funktionsumfang nutzen können.